Unter dem Titel Kunstkiosk kuratiert die Düsseldorfer Schriftstellerin und Künstlerin Vera Vorneweg seit 2022 eine Veranstaltungsreihe mit Autor:innen der Visuellen Poesie. Hierfür wird eine kleine Bar im Herzen von Düsseldorf-Oberbilk für einen Abend in ein gemütliches Wohnzimmer verwandelt und es finden zwei Poesie-Lesungen und ein Publikumsgespräch statt. Die Kunstkiosk-Veranstaltungen #1-5 wurden musikalisch von DJ Edelescort (Hauch Records) begleitet. Die Reihe wird seit 2022 vom Kulturamt der Stadt Düsseldorf finanziert, seit 2023 zudem von der Kunststiftung NRW, der Kunst- und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Düsseldorf sowie der Demokratiewerkstatt Oberbilk.
wurde als Kind tscherkessischer Eltern in Offenbach am Main geboren. Sie studierte Philosophie, Psychoanalyse und Jura in Frankfurt am Main. Sie schreibt Lyrik und Prosa und übersetzt aus dem Türkischen. Can wurde mit mehreren Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem Else-Lasker-Schüler-Lyrikpreis (2016) und dem Alfred Müller-Felsenburg-Preis für aufrechte Literatur (2016). Sie war Gastdozentin für Konkrete Poesie an der Bauhaus-Universität Weimar, der Universität Kassel und der Northern Arizona University in den USA. Can ist Mit-Herausgeberin der Literaturzeitschrift „diehoren“ sowie Mitglied im P.E.N. 2021 war sie Arp-im-Ohr-Stipendiatin des Landes Rheinland-Pfalz und des Arp-Museums im Rolandseck. Can lebt in Offenbach am Main.
Safiye Can
13. Mai 2022
nächste Veranstaltung:
21. Mai 2026 – 19 Uhr – Elona Caffee – Stoffeler Straße 3 – Düsseldorf
Gerhard Rühm, geboren 1930 in Wien, ist ein österreichischer Schriftsteller, Komponist und bildender Künstler. Er gilt als Mitbegründer der Konkreten Poesie und war Mitglied der „Wiener Gruppe“, einer Vereinigung von namhaften Literaten und Künstlern, darunter Konrad Bayer, Oswald Wiener und H.C. Artmann, die ihre literarische Ausdrucksform in der Konkreten Poesie fanden und damit maßgeblich die Nachkriegsliteratur prägten. Bekannt ist Gerhard Rühm zum Beispiel für seine „Ein-Wort-Tafeln“, in denen er einzelne Wörter aus Sätzen extrahiert und sie als gleichwertige Elemente nebeneinander stellt. Große Beachtung finden auch seine Lautgedichte oder „Geräuschsymphonien“, in denen er seine poetischen Botschaften rein mittels der Aneinanderreihung von Klängen auf die Hörenden überträgt. Rühms gesammelte Werke sind im Verlag Matthes & Seitz erschienen.
Simone Scharbert,1974 in Aichach geboren, hat Politikwissenschaft, Philosophie und Literatur in München, Augsburg und Wien studiert und anschließend in Politikwissenschaft promoviert. Sie lebt und arbeitet als freie Autorin und Dozentin in Erftstadt. Bis heute sind vier Bücher von ihr erschienen, zuletzt 2022 der Roman „Rosa in Grau: Eine Heimsuchung“ in der edition AZUR. Seit 2017 ist Simone Scharbert Lehrbeauftragte am Institut für Deutsche Literatur und Sprache der Universität Köln.
#4
Francesca Grosso
Francesca Grosso aus Rom ist bildende Künstlerin, Malerin, Illustratorin, Flötistin und Lehrerin. Seit 2017 macht sie ihre künstlerischen Arbeiten - Texte, Malerei und Videos – über verschiedene Social Media-Kanäle öffentlich. Ihre visuelle Poesie bringt Grosso mit Feder und Tinte aufs Papier. Beim Kunstkiosk trägt sie ihre Texte in italienischer Sprache vor, bevor sie von der Übersetzerin Elisa Harnischmacher auf Deutsch gelesen werden. Im Rahmen einer Live-Writing-Performance wird außerdem ein neues künstlerisch-soziales Kalligramm entstehen. Die Besucher:innen der Veranstaltung sind eingeladen, ihre Gedanken zum Thema „Feind“ aufzuschreiben. Aus den eingereichten Beiträgen soll dann im Laufe des Abends ein Kunstwerk entstehen.
Andisheh Karami hat in ihrem Heimatland Iran Architektur studiert und unter anderem als Architektin, Webdesignerin und Lehrerin gearbeitet. Aufgrund der Zensur war es ihr nicht möglich, im Iran als Autorin in Erscheinung zu treten. 2022 ist sie mit einem Stipendium nach Deutschland gekommen. Karami verfasst überwiegend Kurzgeschichten, aber auch Gedichte. Derzeit arbeitet sie an ihrem ersten Roman. Im Rahmen des Kunstkiosk liest sie ihre Poesie in ihrer Muttersprache Farsi. Im Anschluss werden die Gedichte von der Übersetzerin Jutta Himmelreich auf Deutsch vorgetragen.
Foto: Mark Hützen
Foto: Mark Hützen
Foto: Andisheh Karami
#5
Oswald Egger kam 1963 in Lana/Südtirol zur Welt. Seine Prosa und Gedichte wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Unter anderem erhielt er 2007 den Peter-Huchel-Preis und 2017 den Georg-Trakl-Preis für Lyrik. Seit 2011 ist er Professor für Sprache und Gestalt an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.
Nadine Pitthan
Nadine Pitthan, geboren 1994 in Düsseldorf, gewann 2016 den Schreibwettbewerb „Wir machen Druck". Darauf folgte die Veröffentlichung einer Erzählung mit Zeichnungen von Cecillia Orywol. Danach zahlreiche Lyrik-Lesungen in ganz Deutschland. Seit 2020 entsteht Grafikpoesie, ein Zusammenspiel zwischen Vektoren und Lyrik, das in diversen Magazinen veröffentlicht wurde. Neben dem Schreiben spielt Pitthan auch Theater und macht Musik.
Oswald Egger
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Mati Shemoelof
Der arabisch-jüdische Schriftsteller Mati Shemoelof lebt seit einigen Jahren in Berlin. In Israel hat er mehrere Gedichtbände, eine Kurzgeschichtensammlung, einen Essayband und einen Roman veröffentlicht. Im Verlag Parasitenpresse ist im April 2023 sein Gedichtband „Das kleine Boot in meiner Hand nenn ich Narbe“ erschienen. Im Rahmen des „Kunstkiosk“ trägt Shemoelof seine Gedichte auf Hebräisch vor. Gundula Schiffer, die seine Lyrik ins Deutsche übersetzt hat, liest sie in deutscher Sprache.
21. Mai 2026 – 19 Uhr
Elona Caffee – Stoffeler Straße 3 – Düsseldorf
Foto: Vera Vorneweg
Foto: Ali Ghandtschi
Foto: Sascha Schönbrodt
16. Mai 2024
Regina Ray
#6
Regina Ray lebt und arbeitet seit den späten 1980er Jahren in Düsseldorf. Sie veröffentlichte Lyrik, Erzählungen sowie einen Roman. Darüber hinaus arbeitet sie journalistisch. Für den Hörfunk (D’Radio, D’funk, WDR, BR, SWR) entstanden zahlreiche Kulturfeatures, viele davon mit einem Bezug zu Indien. Im Rahmen des „Kunstkiosk“ wird Regina Ray aus ihrem 1998 erschienenen Band „Körpertexte“ (Melina Verlag) vortragen.
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Lina Atfah
Lina Atfah wurde 1989 in Syrien geboren und studierte arabische Literatur in Damaskus. 2014 musste sie ihr Heimatland aus politischen Gründen verlassen, seitdem wohnt sie in Herne. Ab 2016 erschienen Beiträge von Atfah in diversen Anthologien. Darüber hinaus hat sie zwei Gedichtbände veröffentlicht, die ihre Poesie in arabischer und deutscher Sprache enthalten. 2019 erschien “Das Buch von der fehlenden Ankunft”, 2022 folgte “Grabtuch aus Schmetterlingen” (beide Pendragon Verlag). Für den zweiten Band wurde Atfah mit dem Literaturpreis Ruhr ausgezeichnet. Im Rahmen des „Kunstkiosk“ wird Atfah ihre Texte in arabischer Sprache vortragen. Übersetzer Osman Yousufi, der die Gedichte für beide Bücher ins Deutsche übertragen hat, liest die deutschen Versionen.
Yuliia Iliukha kommt aus der Ukraine und ist Dichterin, Schriftstellerin und Journalistin. Iliukha ist Autorin von zwei Romanen, Kurzgeschichtensammlungen, Gedichtbänden sowie mehreren Kinderbüchern. Sie wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Internationale Ukrainisch-Deutsche Oles-Hontschar-Literaturpreis, der Preis des Internationalen Literaturwettbewerbs „Word Coronation 2018“ und der 128 LIT International Chapbook Prize 2023 (USA). Derzeit ist sie Stipendiatin im Heinrich-Böll-Haus in Langenbroich. Im Rahmen des „Kunstkiosks“ wird Iliukha ihre Texte in ukrainischer Sprache vortragen. Die deutsche Version liest der Übersetzer Professor Doktor Alois Woldan (Universität Wien), der auch ihren Gedichtband „Das letzte Ahornblatt“ übertragen hat.
Marlon Bösherz, wohnhaft in Essen, studierte Kunst bei Stefan Kürten und John Morgan an der Düsseldorfer Kunstakademie, die er 2023 als Meisterschüler verließ. Seit 2013 veröffentlicht er regelmäßig handgebundene Gedichtbände mit seinen Texten in Editionen. Neben seiner Lyrik forscht er am Buch auch als Kunstobjekt. Er experimentiert mit Schreibmaschinen, Handschrift, analogen Aufnahme- und Abspielgeräten und der Bedeutung des Skizzenbuchs. So bewegen sich seine Auseinandersetzungen mit der Lyrik und der Schrift immer im Bereich zwischen Poesie und Kunst und entwickeln dadurch eine besondere Spannung.
Marion Poschmann studierte Germanistik, Philosophie und Slawistik. Sie schreibt Lyrik, Prosa und Essays, für die sie vielfach ausgezeichnet wurde, zuletzt mit dem Stadtschreiberpreis Bergen-Enkheim 2022 und dem Joseph-Breitbach-Preis 2023. Für ihren Essay „Laubwerk“ erhielt sie 2021 den Wortmeldungen-Literaturpreis für kritische Kurztexte. Bei Suhrkamp erschien 2020 ihr jüngster Gedichtband „Nimbus“ sowie 2023 ihr Roman „Chor der Erinnyen“.
Yoko Tawada wurde 1960 in Tokio geboren. Von 1982 bis 2006 lebte sie in Hamburg, seit 2006 in Berlin. Tawada studierte Literaturwissenschaft in Tokio, Hamburg und Zürich. Sie schreibt ihre Texte auf Deutsch und Japanisch. Ihre Bücher sind in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden. Tawada wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Yomiuri-Literatur-Preis (2013), der Kleist Preis (2016) sowie der U.S. National Book Award for Translated Literature (2018). Im Jahr 2011 hatte sie eine Gastprofessur für Interkulturelle Poetik in Hamburg. Zu ihren jüngeren Veröffentlichungen zählen „Ein Balkonplatz für flüchtige Abende“ (2016), „akzentfrei“ (2016), „Sendb-o-te“ (2019), „Paul Celan und der chinesische Engel“ (2020), „Portrait eines Kreisels“ (2022) sowie „Eine Zungengymnastik für die Genderdebatte“ (2023). Tawada trägt ihre Texte sowohl auf Japanisch als auch auf Deutsch vor.
Die 1968 in West-Berlin geborene Schriftstellerin hat 20 Bücher veröffentlicht, darunter die Prosawerke „Himmelskörper“, „Spielzone“, „Hausers Zimmer“, „Café Brazil“, außerdem Essay- und Lyrikbände, Kinderbücher, Theaterstücke und feuilletonistische Sachbücher. Als Journalistin arbeitet Dückers für verschiedene Zeitungen und Magazine, darunter Die Zeit, Süddeutsche und Welt. Zudem lehrt sie Germanistik/German Studies im Ausland, vor allem in den USA. Lehraufträge und Stipendien führten sie u. a. nach Los Angeles, Barcelona, Paris und Krakau.
Sappho
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Foto: Anton Landgraf
Die antike griechische Dichterin Sappho verstarb mehr als 500 Jahre vor Christi Geburt. Obwohl man schätzt, dass von Sappho nur ungefähr 7 Prozent ihres Gesamtwerks erhalten geblieben sind, wirkt sie bis heute auf literarische Texte. Allein im deutschsprachigen Raum entstanden bisher mehr als 500 literarische Texte, die sich mit dem Werk und der Person der Griechin beschäftigen. In ihnen kehrt Sappho als Figur wieder, es werden Gedichte zitiert und weitergedacht und Motive wiederholt. Im Rahmen des „Kunstkiosk“ wird eine Auswahl von Sappho-Texten vorgetragen. Die altgriechischen Versionen liest der Sprachwissenschaftler Oliver Beermann, die deutsche Fassung übernimmt die Profisprecherin Katrin von Chamier. Zuvor führt Dr. Philip Schmitz vom Institut für klassische Philologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf ins Thema ein.
Eva Wal (*1966) ist Grenzgängerin zwischen Wort, Schrift, Bild und Klang. Nach dem Studium der Musikpädagogik und Germanistik absolvierte sie eine Ausbildung zur Geigenbauerin. Seit 1996 ist sie regelmäßig mit Ausstellungen, Lesungen und Konzerten sowie mit Klang- und Rauminstallationen und Performances in England, Frankreich, Polen und Ecuador präsent. Ihre Texte ergänzt Eva Wal häufig mit eigenen Malereien; zudem schreibt sie auf organische Materialien wie Blätter oder Haut. Im Rahmen des „Kunstkiosks“ wird sie eine Linksschreib-Performance an den Fensterscheiben des Elona Caffees realisieren.
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Mihret Kebede
Mihret Kebede (*1978) studierte Malerei an der School of Fine Arts and Design der Addis-Abeba-Universität in Äthiopien. Derzeit ist sie Doktorandin an der Akademie der bildenden Künste Wien. Die multidisziplinäre Künstlerin und Dichterin ist Mitbegründerin der poetischen Jazz-Tobiya-Group, des Künstlerkollektivs Netsa Art Village und des Videokunstfestivals von Addis Abeba. Ihre Lyrik und Prosa wurde in zahlreichen Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht (u. a. Songs We Learn from Trees, Carcanet Press). Im November 2025 erscheint ihr Lyrikdebüt #evolutionary poems im Verlag Circumference Books. Mihrets Gedichte werden bei der Kunstkiosk-Veranstaltung von Dr. Nika Pfeifer aus dem Amharischen ins Deutsche übersetzt.
Lesung Sappho, Katrin von Chamier & Oliver Beermann:
#11
20. November 2025 – 19 Uhr
Barbara Köhler
Barbara Köhler veröffentlichte Gedichtbände und Essays, Übersetzungen (u. a. Gertrude Stein und Samuel Beckett) und schaffte Audio-Installationen, Schriftbilder, Multiples und Texte für öffentliche Räume sowie private Gärten. Von ihr erschienen unter anderem „Neufundland. Schriften, teils bestimmt“ (2012), „36 Ansichten des Berges Gorwetsch“ (2013) und „Istanbul zusehends“ (2015), für das sie den Peter-Huchel-Preis 2016 erhielt. Barbara Köhler verstarb 2021 im Alter von 61 Jahren.
Anneke Brassinga
Seit 1983 verfasst Anneke Brassinga Gedichte, Übersetzungen und Essays. Ihre Publikationen, darunter „Hapschaar“ (1998, 2019), „Wachtwoorden“ (2015) oder „Bloeiend puin“ (2008), haben ihr zahlreiche Preise eingebracht, zum Beispiel den P.C. Hooft Preis 2015. In deutscher Sprache erschien 2016 der Gedichtband „Fata Morgana, dürste nach uns“. Übersetzt hat sie unter anderem Werke von Hermann Broch, Samuel Beckett, Denis Diderot, Vladimir Nabokov oder Sylvia Plath. Anneke Brassinga trägt ihre Gedichte bei der Kunstkiosk-Veranstaltung auf Niederländisch vor, ihre Übersetzerin Ira Wilhelm ergänzt die deutschen Versionen.
gelesen von Axel von Ernst
übersetzt von Ira Wilhelm
Axel von Ernst ist freier Autor und Co-Verleger der Verlage Lilienfeld und C. W. Leske in Düsseldorf sowie Lehrbeauftragter für Verlagspraxis, Creative Writing, Virtuelle Kulturvermittlung und Literaturtheorie.